Archiv der Kategorie ‘Tucholsky‘

Krieg dem Kriege

Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit –!

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Brian am 25. Dezember 2010 in Tucholsky

Blick in ferne Zukunft

… Und wenn alles vorüber ist –; wenn sich das alles totgelaufen hat: der Hordenwahnsinn, die Wonne, in Massen aufzutreten, in Massen zu brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit vergangen ist, die die niedrigen Eigenschaften des Menschen zu guten umlügt; wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn alle Kämpfe um den Faschismus ausgekämpft und wenn die letzten freiheitlichen Emigranten dahingeschieden sind –:

dann wird es eines Tages wieder sehr modern werden, liberal zu sein.

Dann wird einer kommen, der wird eine gradezu donnernde Entdeckung machen: er wird den Einzelmenschen entdecken. Er wird sagen: Es gibt einen Organismus, Mensch geheißen, und auf den kommt es an. Und ob der glücklich ist, das ist die Frage. Daß der frei ist, das ist das Ziel. Gruppen sind etwas Sekundäres – der Staat ist etwas Sekundäres. Es kommt nicht darauf an, dass der Staat lebe – es kommt darauf an, dass der Mensch lebe.

Dieser Mann, der so spricht, wird eine große Wirkung hervorrufen. Die Leute werden seiner These zujubeln und werden sagen: »Das ist ja ganz neu! Welch ein Mut! Das haben wir noch nie gehört! Eine neue Epoche der Menschheit bricht an! Welch ein Genie haben wir unter uns! Auf, auf! Die neue Lehre –!«

Und seine Bücher werden gekauft werden oder vielmehr die seiner Nachschreiber, denn der erste ist ja immer der Dumme.

Und dann wird sich das auswirken, und hunderttausend schwarzer, brauner und roter Hemden werden in die Ecke fliegen und auf den Misthaufen. Und die Leute werden wieder Mut zu sich selber bekommen, ohne Mehrheitsbeschlüsse und ohne Angst vor dem Staat, vor dem sie gekuscht hatten wie geprügelte Hunde. Und das wird dann so gehen, bis eines Tages …
Ignaz Wrobel
Die Weltbühne, 28.10.1930, Nr. 44, S. 665

volkslesen.tv

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Brian am 25. Dezember 2010 in Tucholsky

Was soll ich denn lesen?

Vorspruch

Für den Arbeiter
mit dem Intellektuellen
gegen den gemeinsamen Feind

Was soll ich denn lesen –?

Die paar Stunden,
die dir Fabrik und Schreibstube läßt,
kannst du seelisch wieder gesunden –
aber halt an deiner Gesinnung fest!
Biographien der Vaterlandsretter?
Nein.
Patriotisches Phrasengeschmetter?
Nein.
Deine Welt. Die Revolutionen.
Kolonialpolitik und Expeditionen.
Die Geschichte der Völker. Die Verbrechen des Staats.
Die echten Führer des Proletariats.
Die Russen. Petroleum. Der Kampf der Chinesen.
Das sollst du lesen.
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Brian am 12. Dezember 2010 in Tucholsky

Recht muß Recht bleiben!

»Wir können nicht zahlen! Wir werden nichts zahlen!
Die Gläubiger sollen uns was malen!«
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Brian am 12. Dezember 2010 in Tucholsky

Bürgerliche Wohltätigkeit

Sieh! Da steht das Erholungsheim
einer Aktiengesellschafts-Gruppe;
morgens gibt es Haferschleim
und abends Gerstensuppe.
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Brian am 12. Dezember 2010 in Tucholsky

Erinnerung an einen Gefährten im Kampf. Zum 75. Todestag von Kurt Tucholsky

“Für einen anständigen Menschen gibt es in bezug auf seine Kriegshaltung überhaupt nur einen Vorwurf: daß er nicht den Mut aufgebracht hat, Nein zu sagen.”

Junge Welt vom 14.12.2010

Morgen findet eine Veranstaltung mit Kurt Pätzold zum Tucholsky-Todestag in der jW-Ladengaleriestatt: Beginn: 19 Uhr (Torstr. 6, Berlin-Mitte).

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Brian am 12. Dezember 2010 in Tucholsky